Was soziale Medien wirklich über dich wissen
Du gibst sozialen Medien mehr Informationen, als du vielleicht ahnst. Nicht nur, was du postest – sondern auch, wie du postest: Was du schreibst und wieder löscht. Wie lange du bei welchem Bild verweiltest. Welche Profile du besucht hast, ohne zu liken. Wann du wach bist und wann du schläfst.
**Kategorien gesammelter Daten:** **1. Direkt angegebene Daten**: Name, E-Mail, Geburtsdatum, Telefonnummer, Wohnort – das offensichtliche. **2. Verhaltensdaten**: Welche Posts du likest, kommentierst, teilst, überspringst. Welche Videos du bis zum Ende siehst. Welche Werbeanzeigen du anklickst – oder lange ignorierst. Welche Geschichten du aufmachst und wie lange. **3. Gerätedaten**: Modell, Betriebssystem, Browser, IP-Adresse, Bildschirmauflösung – oft ausreichend für 'Browser-Fingerprinting', das dich eindeutig identifiziert. **4. Standortdaten**: Wenn GPS-Zugriff erlaubt, kennt die App deinen genauen Standort. Aber auch ohne GPS: IP-Adresse erlaubt Standortschätzung. WLAN-Netzwerke in der Nähe verraten deinen Aufenthaltsort. **5. Netzwerkdaten**: Wer sind deine Kontakte? Wie oft kommunizierst du mit wem? Welche gemeinsamen Freund:innen habt ihr? Aus Netzwerkdaten lässt sich deine politische Einstellung, Religion, sexuelle Orientierung und Gesundheitssituation schätzen. **6. Plattformübergreifende Daten**: Facebook/Meta trackt dich auf Millionen von Drittseiten über den 'Meta-Pixel' – auch wenn du nicht auf Facebook bist. Google Analytics tut dasselbe. Dieser 'Schatten-' erstellt Dossiers über dein gesamtes Online-Verhalten.
**Der Cambridge-Analytica-Skandal (2018)**: Das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica erhielt über eine Psychologie-App ('thisisyourdigitallife') die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzer:innen. Diese Daten wurden für psychografisches Targeting in den US-Wahlen 2016 und beim Brexit-Referendum genutzt. Der Skandal offenbarte das Ausmaß möglichen Datenmissbrauchs und führte zu verschärften Datenschutzmaßnahmen bei Facebook – und zur DSGVO-Durchsetzung.
**Datenprofil und Targeting**: Aus diesen Datenpunkten erstellen Plattformen hochpräzise Profile. Facebook/Meta wirbt damit, Nutzer:innen nach 'politischer Einstellung', 'Beziehungsstatus', 'Elternschaft', 'Gesundheitsinteressen' und sogar 'Einkommen' targetieren zu können. Diese Profile werden an Werbetreibende vermietet – das ist das eigentliche Geschäftsmodell. Du bezahlst nicht mit Geld. Du bezahlst mit Daten.
💡 Soziale Medien sind nicht gratis. Der Preis ist dein Datenprofil – präziser als du ahnst und wertvoller als du dir vorstellen kannst.